Von Veggies und Omnis
Veröffentlicht: 5. Februar 2012 Einsortiert unter: Medien, Spannendes | Tags: Benoît Monin, Essensfragen, Fleisch, Fleischesser, Julia Minson, Moral, omnivor, Süddeutsche Zeitung, vegan, Vegetarier, vegetarisch, Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden 4 Kommentare »In der Süddeutschen Zeitung von gestern findet sich ein Artikel mit dem Titel “Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden”. Er fasst meine Erfahrungen und Eindrücke aus ungefähr 15 Jahren vegetarischen Lebens recht gut zusammen (da fragt man sich natürlich wieder, warum da Psychologen gebraucht wurden, die hätten auch einfach mich fragen können
). Hier ein paar Auszüge:
Warum aber reagieren viele Menschen auf Vegetarier wie auf Angehörige eines bislang isoliert lebenden Volksstammes, die erst bestaunt und dann lächerlich gemacht werden?
Julia Minson von der Universität Pennsylvania und Benoît Monin von der Universität Stanford bieten eine Erklärung an (Social Psychological and Personality Science, Bd. 3, S. 200, 2012). Fleischesser hätten oft das Gefühl, dass Vegetarier sie moralisch verurteilten und fühlten sich zu schlechten Menschen degradiert. Und Attacken auf ihr positives Selbstbild wehren Menschen ab, indem sie Angreifer lächerlich machen.
[...]
Diese Haltung (Anm: also Fleischkonsum aus ethischen/moralischen Gründen für sich ablehnen) qualifiziere Vegetarier zum Status einer Minderheit, deren moralischer Anspruch über den der gesellschaftlichen Mehrheit hinausweise, argumentieren Minson und Monin. Deshalb müssen Vegetarier nicht einmal penetrant mit ihrer Entscheidung hausieren gehen, um bei Fleischessern Abwehrreaktionen auszulösen. Schon ein stummer Vegetarier stellt einen impliziten moralische Vorwurf dar, auf den Menschen hochsensibel reagieren.
Vor allem den gefetteten Teil kann ich wirklich nur nachdrücklich bestätigen! Ich lebe zwar selber vegetarisch (mit kleinen Ausflügen ins vegane), aber was andere Menschen machen ist mir einfach mal total egal. Ich antworte meist nichtmal mehr auf die Frage nach dem “warum” – was soll das auch, die Leute kennen die Gründe doch? Soll ich ihnen wirklich das Steak verderben, das sie gerade begeistert kauen? Denn solche Fragen werden ja grundsätzlich beim essen gestellt…
Aber es ist tatsächlich so: Menschen fühlen sich durch meine einfache Anwesenheit schon wenn nicht provoziert, zumindest mal aufgefordert, ihren eigenen Fleischkonsum ausführlichst zu kommentieren (was natürlich immer ganz wenig ist und wenn’s geht alles Bio, aber eigentlich esse man ja eh kaum Fleisch, blablabla). Ganz ehrlich: Das interessiert mich nicht! Was soll ich dazu auch sagen? Was wird da erwartet? Soll ich meine Erlaubnis geben, im Sinne von, “wenn die Vegetarierin sagt, es ist okay, wie ich Fleisch esse, dann isses auch okay?” Das ist nicht mein Job! Denn nein, ich gehöre tatsächlich nicht zu den Vegetarier_innen, die sich moralisch überlegen fühlen. Und es ist mehr als irritierend, diese Rolle dauernd wieder von außen zugeschrieben zu bekommen.
Dazu kommt dann die im Artikel beschriebene Gattung der latent aggressiven Mitmenschen. Die mir Diskussionen über Sojaanbau aufdrängen wollen, blöde Witze reißen oder lautstark verkünden, warum sie niemals nie ohne Fleisch leben könnten (und der Mensch an sich ist ja auch nicht dafür gemacht, keines zu essen, kann man auch total beweisen, jawoll!). Leute, das nervt!! Gerne dürft ihr so mit mir umgehen, wenn ich wirklich mal anfangen sollte, euch moralinsaure Vorträge zu halten.
Aber bis dahin, haltet bitte einfach die Klappe!
Zum Wochenende ein bisschen Funny van Dannen
Veröffentlicht: 9. Dezember 2011 Einsortiert unter: Medien, schilddrüse | Tags: anschauen, Funny van Dannen, Schilddrüse, Schilddrüsenunterfunktion, thank god it's friday Schreibe einen Kommentar »Michael Mosley: Mach mich schlank
Veröffentlicht: 7. Dezember 2011 Einsortiert unter: Medien, Spannendes | Tags: abnehmen leicht gemacht, Alex James, Blur, Diätmythen, Doku, gucken, Mach mich schlank, Michael Mosley, ZDFneo Schreibe einen Kommentar »Tipps um abzunehmen, ohne zu schwitzen oder sich quälen zu müssen! Nicht weniger verspricht die Doku von Michael Mosley, die am 03.12. auf ZDFneo ausgestrahlt wurde. Zum gucken geht’s hier entlang zur Mediathek: klick
Der Film ist gut gemacht, schöne Bilder, wissenschaftliche Ergebnisse sind klar und verständlich aufbereitet. Er verspricht kurzweilige Unterhaltung und sicher den ein oder anderen Aha-Effekt.
Darüber hinaus bietet die Doku leider zumindest für Menschen, die sich schon lange mit dem Thema Diät und Abnehmen beschäftigen keine neuen Erkenntnisse. Dass man keine Mahlzeit ausfallen lassen sollte, damit kein Heißhunger auf kalorienreiches Essen entsteht, ist zum Beispiel keine wirkliche Neuigkeit. Aber es ist interessant, mittels Gehirnbildern aus dem Kernspin vorgeführt zu bekommen, welche Hirnareale bei Heißhunger positiv auf Fotos von einer Portion Pommes reagieren und wie unbeeindruckt die gleichen Areale von Salatgurkenfotos bleiben. Andere Tipps wie “lieber den Salat mit Huhn essen als den mit Mozzarella und Sahnedressing” sind viel zu allgemein formuliert, der Vorschlag, statt Schokolade lieber einen Apfel zu essen mag theoretisch ja sinnvoll sein, praktisch ist er ziemlich realitätsfern.
Etwas verwirrt und gleichzeitig verärgert hat mich der Versuch mit einer übergewichtigen Frau, die ein Video- bzw ein schriftliches Tagebuch über ihre Mahlzeiten führen sollte. Diese Frau wird mittels eines “präperierten Wassers” das sie trinkt – was auch immer das sein mag – überführt, dass sie viel mehr isst, als sie im Videotagebuch angegeben habe. Ja, ja, immer diese Dicken, die einfach keinen Überblick über ihr Essen haben und einfach vergessen, was sie alles zu sich nehmen.
Die Lösung präsentiert der Film natürlich auch gleich mit: “Man muss einfach nur die Kalorien im Blick behalten, wer zu dick ist, nimmt zu viele davon zu sich”. Ja, wenn es mal so einfach wäre. Was hier auf jeden Fall fehlt und auch im Rest des Filmes nicht mehr aufgegriffen wird sind Dinge wie Jojo Effekt oder völlig kaputt diätete Stoffwechsel. Wie viele Dicke essen kaum 1500 kcal täglich (oder sogar weit weniger) und befinden sich so meist weit unter ihrem Grundumsatz und nehmen immer und immer weiter zu? Diäten machen dick und “weniger essen” ist eben gerade nicht die Patentlösung für alle Menschen. Genauso wenig wie die später im Film angepriesene “Alltagsbewegung”.
Das Thema Sport wird ebenfalls nur mit einzeln herausgepickten Forschungsergebnissen angesprochen. Sicher ist alles korrekt, was dort zur direkten Fettverbrennung und zum Nachbrenneffekt erzählt wird, aber dass und wie der richtige Sport in seiner Gesamtheit zu einer gelungenen Abnahme und einem besseren Körpergefühl beitragen kann, wird nicht weiter ausgeführt.
Für Vegetarier ist die Dokumentation hinsichtlich praktischer Tipps nur bedingt geeignet, für Veganer eigentlich gar nicht. Zu viel dreht sich um Eiweiß aus magerem Fett oder Calcium aus Milchprodukten.
Schöner Bonus: Mit dabei bei einem Versuch ist Alex James, der Bassist von Blur!

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