Interview mit Udo Pollmer

Im Moment herrscht gewichtstechnisch Stillstand, deswegen sei zur Abwechslung hier ein Interview aus der Galore mit dem Ernährungswissenschaftler Udo Pollmer aus dem Juli verlinkt, über das ich neulich gestolpert bin. Mir ist Udo Pollmer manchmal zu polemisch und einseitig, aber diesmal kam ich aus dem Nicken irgendwie gar nicht mehr heraus:


Ich frage das, weil Sie neben Manfred Lütz und ein paar wenigen anderen Autoren der publizistische Ketzer gegen die moderne Ersatzreligion ‚Gesundheit’ sind.


Das ist keine Ersatz-, sondern eine ganz ordinäre Religion. Es hat Gesundheitspäpste und Halbgötter in Weiß und Heilsversprechen ohne Ende. Offenbar gibt es keine Krankheit mehr, die durch eine gesunde Ernährung, Fitnesstrainung und Früherkennung nicht vermieden oder kuriert werden könnte. Allein an diesem Tatbestand erkennen Sie, dass hier das ewige Leben versprochen wird. Der arme Esssünder hingegen wird mit dem Tode bestraft. Allein der Begriff „Esssünde“ sagt genug über die Psychopathologie der Gläubigen. Wie wäre es mit der Atemsünde oder der Pinkelsünde?

[...]

Worin sehen Sie also unsere heutigen Religionen?

Heute bastelt die Gesellschaft an zwei neuen Religionen, die sich beide aus der christlichen Morallehre speisen. Die eine ist die religio sanitatis, die Gesundheitsreligion, die besagt: „Wenn ich meinen Körper quäle, wenn ich ihn mit Körnern und Kalorienverzicht kasteie, dann habe ich Anspruch auf das Heil, gesund sterben zu dürfen. Wer sündigt, erleidet den individuellen Untergang.“
[...]

Viele Dünne glauben heute, dass ihr Körperbau Folge ihrer Intelligenz ist…

… und ahnen nicht, dass sie ihren Körperbau der Tatsache verdanken, dass ihr Papa ihre Mama gevögelt hat. Machen diese Leptosomen noch zusätzlich eine Diät, nehmen sie drei bis fünf Kilo ab. Haben sie fortan Angst vor Fettaugen auf dem Teller, bleiben sie untergewichtig. „Lassen sie sich gehen“, wie sie das nennen, also essen sie normal, kehren sie zu ihrem Ursprungsgewicht zurück. Bei Korpulenten ist es genau umgekehrt, die nehmen durch Diäten zu. Mit der Essmenge hat das nichts zu tun, sondern einzig und allein mit Ärger, Verzweiflung, mit Situationen denen man ausgeliefert ist. Es kommt zu einer massiven Cortisolausschüttung. Das Hormon Cortisol, das unsere Nebenniere bildet, ist im Prinzip das Medikament Cortison. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Cortisonpillen schlucken, werden Sie fett am Bauch, bekommen auf lange Sicht Diabetes, Herzinfarkt und kaputte Gelenke. Das gehört zur Wirkung dieser Hormone.

Gibt es irgendein Gebot oder Verbot, dem Sie dennoch zustimmen?

Mir ist bisher keins begegnet, das in gleicher Weise für alle Menschen zutrifft. Jeder Mensch ist anders, jeder hat einen anderen Stoffwechsel, andere Empfindlichkeiten, andere Bedürfnisse. Die Gilde der Schuhmacher empfiehlt ja auch nicht eine „gesunde“ Schuhgröße für alle. Immerhin gibt es einen unerwarteten Zusammenhang, der immer immer wieder beobachtet wird: Der Konsum von Genussmitteln ist mit einer höheren Lebenserwartung verbunden. Das liegt daran, dass Genussmittel das Cortisol senken. Wir brauchen den Kaffee, um uns im Arbeitsalltag zu „erden“. Wir trinken am Abend ein Bierchen, um den Arbeitsstress des Tages abzuschütteln. Das innerliche zur Ruhe kommen ist „gesund“. Aber Vorsicht: Wer keinen Mocca oder Ouzo mag, sollte bitte auch fürderhin die Finger davon lassen. Nicht weil es „ungesund“ ist, sondern weil es nicht jedem bekommt.
[...]

Was ein Teufelskreis ist, da in dieser Gesellschaft niemand stärker diskriminiert und gemobbt wird als „Übergewichtige“.

Man muss ein sehr dickes Fell entwickeln, sonst wird man richtig fett. Andererseits sind viele Menschen so gut situiert, dass sie genug Zeit und Geld haben, sich primär mit dem Design ihres Äußeren zu befassen. Täglich lesen sie dazu in Frauenzeitschriften und Gesundheitspostillen, wie sie durch Ernährung und Sport ihren Body shapen können. Wenn sie so naiv sind und auf diese Botschaften hereinfallen, dann schnappt die Falle zu: Wer weniger isst, um seinen Bauch zu verkleinern, wird das Gegenteil bewirken.
[...]

Was also gilt? Wie kann ich zu einem guten Körpergefühl sinnstiftend beitragen?

Wie Sie sich fühlen und was Sie deshalb essen, hängt vor allem von der Menge an Tageslicht ab. Der Kaffeekonsum ist im Norden Europas am höchsten, im Süden am geringsten. Einfach deshalb, weil er hilft, Lichtmangel auszugleichen. Coffein stimuliert im Gehirn die gleichen Botenstoffe wie das Tageslicht. Einen ähnlichen Zusammenhang gibt’s beim Alkohol. Deshalb gibt’s in Spanien damit weniger Probleme als in Schweden. Dann spielt die Temperatur eine Rolle. Wenn es heiß ist, reicht ein frischer Salat mit viel Öl, wenn’s kalt ist, wird ordentlich gespachtelt. Das sind ein paar der Gründe, warum jede Kultur anders speist. Mit „Gesundheit“ im Sinne unserer Zeitgeist-Propaganda hat das wenig zu tun. Lassen Sie sich’s doch schmecken! Darf ich Ihnen ein fast vergessenes Geheimnis verraten?

Aber gern!
Essen macht nicht schön, schlank oder jung. Essen macht satt!

Das gesamte Interview gibts hier.


Grmph.

Verdammter Mist, gerade rächt sich wirklich, dass ich heute nicht aus dem Knick gekommen bin… Irgendwann gegen eins mal ein paar Weetabix gefrühstückt, wie soll man da im Rest vom Tag noch genug Kalorien unterbringen, noch dazu gesunde?!
Knabbere jetzt noch ein paar Vollkornsalzbrezeln, so kann ich wenigstens die 2000 noch knacken.


Yeah!

Was ich seit einer Weile vorsichtig vermutet habe (und was ich auch nur durch Zufall bemerkt hatte), wurde mir nun durch meinen Freund bestätigt: Meine Oberschenkel haben sich verändert, die Joggerei zeigt erste Erfolge! Das finde ich gerade sehr super, denn damit hatte ich nicht gerechnet und auch nicht darauf hingearbeitet. Klar ging ich davon aus, dass innerhalb einer Gewichtsabnahme auch meine Oberschenkel wohl weniger werden würden, aber ich hätte nicht gedacht, dass meine (!) Oberschenkel fähig zu sowas wie klarer definierten Formen sind!

Um dies besser als mit Schnur und Zollstock dokumentieren zu können, gibt es seit ein paar Tagen ein Maßband in meinem Haushalt. Ab jetzt wird vermessen
… und wahrscheinlich ist es albern, aber ich frage mich folgendes: Wenn meine Beine sich verändern, heißt das ja wohl, dass ich Muskeln aufgebaut habt. Muskeln sind schwerer als Fett. Habe ich also vielleicht sogar schon mehr abgenommen, als die Waage anzeigt?
…aber das sind nur Gedankenspielereien, wichtig ist, dass ich mich echt super fühle im Moment!


20. Oktober 2009

Habe blöde Tage hinter mir, habe kaum Hunger und noch weniger Appetit. Ganz schlecht.
Montag war hart, vor lauter Stress bei der Arbeit bis abends so gut wie nichts gegessen. Hatte mir dann schon eine Pizza mitgenommen, aber auf die auch keine wirkliche Lust. Also wurden es Nudeln, mit einer Tomaten-Ziegenkäsesoße. Was immer noch leider nur ein Bruchteil der nötigen Kalorien war – ich fand mich also Cashewkerne knabbernd auf der Couch wieder, um wenigstens den Grundumsatz zu erreichen. Zwischendrin frage ich mich, ob ich eigentlich total bescheuert bin – eine Diät, bei der es die größte Schwierigkeit ist, MEHR zu essen?!
Und ich trinke zu wenig! Es ist zu kalt zum trinken.
Notiz an mich: Tee kochen!

Normalerweise wäre ich heute mit Laufen dran gewesen, aber ich habe mir noch einen Tag länger Auszeit gegönnt. Inzwischen bin ich bei einem 5:1 Rhymthmus und ich merke, dass dieser für mich eine Art Meilenstein im Trainingsplan darstellt – vorherige Steigerungen habe ich meist leichter weg gesteckt. Also kann ein Tag mehr Pause nicht schaden.

Auf der Waage tut sich gerade nicht so viel. Aber ich halte durch und warte ab.

gelaufen: gar nicht
Kalorien: ca 2100 (sehr grob geschätzt – wie viele Kalorien haben Falafel?)
Gewicht: -1,5kg


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