Es geht weiter! Ab jetzt mit und nicht mehr gegen meinen Körper!

Über zwei Jahre ist mein letzter Artikel in diesem Blog alt. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Nun, ich zog mein Programm recht gewissenhaft durch. Achtete auf Kalorien, ging regelmäßig laufen. Besorgte mir Hanteln und turnte Brigitte Beilagen nach. Versuchte mich mit mäßigem Erfolg am Hula Hoop Reifen. Der regelmäßige Sport bewirkte zwar etwas in der Gesamterscheinung, aber am Gewicht selber tat sich wie auch zuvor eher wenig. Weswegen der Blog auch nicht weiter wuchs, über was sollte ich denn auch berichten?

Ende 2010 gab es privat wie beruflich ein paar Brüche, positive wie negative, und meine Motivation verlor sich irgendwo in der dunklen Jahreszeit. Ich hatte mal wieder keine Lust mehr, fühlte mich insgesamt nicht so wirklich gut und mir fehlte auch jeder Ansporn, all das weiter durchzuziehen. Ich hörte auf zu laufen. Im Frühjahr 2011 konnte ich mich noch ein paar Mal aufraffen, aber dann verletzte ich mich, dann kamen ein paar heiße Tage und dann, ja, dann war die Motivation wirklich weg. Und das, wo ich die magische 5km Grenze gerade geknackt hatte und eigentlich sehr guter Dinge war, was meine Leistungssteigerung angehen sollte, endlich am Tempo arbeiten wollte. Über den Sommer kam einiges an privatem Stress dazu, der mich über mehrere Monate sehr in Anspruch nahm und ich hatte anderes zu tun als Sport und Kalorienzählen. Und warum sollte ich mir die Mühe überhaupt noch machen, es tat sich ja eh nichts am Gewicht, wie mir das Vorjahr eindrücklich gezeigt hatte.

Nach und nach wurde mir aber bewusst: Ich hatte mit meinem Programm zwar nicht ab- aber immerhin auch nicht zugenommen. Denn als ich aufhörte, auf meine Ernährung zu achten, passierte auf einmal das, wovor sich die meisten Menschen mit Diäterfahrung am meisten fürchten: Ich nahm zu und das nicht zu knapp. Und auch wenn ich eine gewisse Zunahme hätte nachvollziehen können, so hatte ich mal wieder eher das Gefühl, mein Körper würde komplett gegen mich arbeiten. Ich knackte sämtliche persönlichen Gewichtsrekorde und hatte das ganz dringende Gefühl, dass so viel Zunahme bei meiner Ernährung einfach nicht normal sein konnte. Das konnte alles einfach nicht so sein. Ich wollte meinen Körper nicht als Feind sehen, den es zu bekämpfen galt, aber genau dieses Bild drängte sich mir in diesen Monaten immer wieder auf, wenn ich über mich nachdachte.

Im August 2011 wagte ich endlich erneut den Gang in die Endokrinologie. 2009 war schon eine leichte Schilddrüsenunterfunktion festgestellt worden, die damals behandelnde Ärztin tat die damaligen Werte und meine echte Verzweiflung über meinen Allgemeinzustand jedoch mit einem Achselzucken ab. Dieses Erlebnis war so frustrierend, dass ich lange einen Bogen um dieses Thema machte. Nun ging ich es erneut an, ließ mir von einer Freundin den Namen ihres behandelnden Arztes geben und wurde bei ihm vorstellig. Und siehe da, meine Werte hatten sich noch einmal deutlich verschlechtert. Der neue Arzt erklärte mir die Schleife, in der ich bedingt durch die Unterfunktion mit dem Gewicht stecken würde: Je mehr Masse vorhanden ist, die nicht funktionierende Schilddrüse zu versorgen hat, desto schlechter schafft sie es, desto mehr nimmt der Körper zu, desto mehr Masse … mein verzweifeltes Gefühl der letzten Jahre, in einem dauerhaften Kampf gegen meinen Körper zu liegen hatte mich also nicht getäuscht. Ich hatte nie eine wirkliche Chance, abzunehmen, ich hatte nie die Chance, dass mein Körper wirklich vernünftig auf die ihm zugeführte Nahrung reagieren würde.

Was für eine Erleichterung! Ich hatte endlich einen Arzt, der mich ernst nahm, ich hatte endlich eine Diagnose. Ich hatte endlich eine Erklärung für all das, was mich die letzten Monate belastet hatte. Die Gewichtszunahme war nur ein Teil davon. Ich war ständig müde – ach was, müde war gar kein Wort dafür, ich war zutiefst erschöpft. Antriebslos. Meine Verdauung quasi nicht mehr existent. Mein Körper, mein Wohlbefinden, alles hatte mir signalisiert, dass irgendwas einfach nicht stimmte, ich hatte mich im Wortsinne “daneben” gefühlt, wie ein Planet, der aus seiner Umlaufbahn geraten ist und nun antriebslos vor sich hin schlingert.

Für all das gab es nun endlich eine Erklärung. Ich war nicht verrückt, ich musste nicht über eine Therapie nachdenken. Es gab eine einfache, körperliche Ursache und noch besser: sogar eine Lösung in greifbarer Nähe!

Ich nehme also seit August 2011 Medikamente, um die Schilddrüse richtig einzustellen. Diese können immer nur langsam erhöht werden und es dauert wohl noch ein paar Monate, bis ich meine Dosis gefunden habe. Doch meine Werte sind jetzt schon besser als damals bei meinem ersten Termin und das spüre ich auch. Mein psychisches Befinden ist gut wie nie. ich habe endlich wieder Energie. Ich muss mich nicht mehr zu allem zwingen, ja, ich habe sogar wieder Lust darauf, Dinge zu erledigen. Ich komme morgens aus dem Bett, müde zwar, aber nicht mit diesem Gefühl, gerade aus dem Winterschlaf gerissen worden zu sein. Gewiss, manchmal denke ich an die erste Ärztin und werde sauer über all die verlorene Zeit, all die Dinge, die ich nicht erledigt habe, die Freundschaften, die ich gerade im letzten Jahr nicht mehr geschafft habe zu pflegen und all die Kilos, die ich zugenommen habe. Doch das versuche ich immer wieder schnell wegzudrücken. Denn ab jetzt kann es nur noch besser werden!

Und so möchte ich mich langsam auch wieder an eine bewusstere Ernährung herantasten. Ich erwarte nicht zu viel, denn ich weiß, dass meine Werte noch ein gutes Stück von normal entfernt sind und ich weiß, dass mein Stoffwechsel gerade erst wieder dabei ist, wieder anzulaufen. Trotzdem möchte ich ein paar behutsame Schritte in diese Richtung gehen – als Teil meines neuen, alten Alltags, den ich gerade wieder finde. Den Alltag der aktiven Person, die ich im letzten Jahr komplett verloren geglaubt habe und die nun aber wieder immer öfter ihren Kopf durch die graue Decke steckt und mitmischen will.

Ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen!


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