Von Veggies und Omnis

In der Süddeutschen Zeitung von gestern findet sich ein Artikel mit dem Titel “Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden”. Er fasst meine Erfahrungen und Eindrücke aus ungefähr 15 Jahren vegetarischen Lebens recht gut zusammen (da fragt man sich natürlich wieder, warum da Psychologen gebraucht wurden, die hätten auch einfach mich fragen können ;-) ). Hier ein paar Auszüge:

Warum aber reagieren viele Menschen auf Vegetarier wie auf Angehörige eines bislang isoliert lebenden Volksstammes, die erst bestaunt und dann lächerlich gemacht werden?
Julia Minson von der Universität Pennsylvania und Benoît Monin von der Universität Stanford bieten eine Erklärung an (Social Psychological and Personality Science, Bd. 3, S. 200, 2012). Fleischesser hätten oft das Gefühl, dass Vegetarier sie moralisch verurteilten und fühlten sich zu schlechten Menschen degradiert. Und Attacken auf ihr positives Selbstbild wehren Menschen ab, indem sie Angreifer lächerlich machen.
[...]
Diese Haltung (Anm: also Fleischkonsum aus ethischen/moralischen Gründen für sich ablehnen) qualifiziere Vegetarier zum Status einer Minderheit, deren moralischer Anspruch über den der gesellschaftlichen Mehrheit hinausweise, argumentieren Minson und Monin. Deshalb müssen Vegetarier nicht einmal penetrant mit ihrer Entscheidung hausieren gehen, um bei Fleischessern Abwehrreaktionen auszulösen. Schon ein stummer Vegetarier stellt einen impliziten moralische Vorwurf dar, auf den Menschen hochsensibel reagieren.

Vor allem den gefetteten Teil kann ich wirklich nur nachdrücklich bestätigen! Ich lebe zwar selber vegetarisch (mit kleinen Ausflügen ins vegane), aber was andere Menschen machen ist mir einfach mal total egal. Ich antworte meist nichtmal mehr auf die Frage nach dem “warum” – was soll das auch, die Leute kennen die Gründe doch? Soll ich ihnen wirklich das Steak verderben, das sie gerade begeistert kauen? Denn solche Fragen werden ja grundsätzlich beim essen gestellt…

Aber es ist tatsächlich so: Menschen fühlen sich durch meine einfache Anwesenheit schon wenn nicht provoziert, zumindest mal aufgefordert, ihren eigenen Fleischkonsum ausführlichst zu kommentieren (was natürlich immer ganz wenig ist und wenn’s geht alles Bio, aber eigentlich esse man ja eh kaum Fleisch, blablabla). Ganz ehrlich: Das interessiert mich nicht! Was soll ich dazu auch sagen? Was wird da erwartet? Soll ich meine Erlaubnis geben, im Sinne von, “wenn die Vegetarierin sagt, es ist okay, wie ich Fleisch esse, dann isses auch okay?” Das ist nicht mein Job! Denn nein, ich gehöre tatsächlich nicht zu den Vegetarier_innen, die sich moralisch überlegen fühlen. Und es ist mehr als irritierend, diese Rolle dauernd wieder von außen zugeschrieben zu bekommen.

Dazu kommt dann die im Artikel beschriebene Gattung der latent aggressiven Mitmenschen. Die mir Diskussionen über Sojaanbau aufdrängen wollen, blöde Witze reißen oder lautstark verkünden, warum sie niemals nie ohne Fleisch leben könnten (und der Mensch an sich ist ja auch nicht dafür gemacht, keines zu essen, kann man auch total beweisen, jawoll!). Leute, das nervt!! Gerne dürft ihr so mit mir umgehen, wenn ich wirklich mal anfangen sollte, euch moralinsaure Vorträge zu halten.

Aber bis dahin, haltet bitte einfach die Klappe!


Büroessen

Die ewige Frage:
Was essen andere im Büro?

Auch ohne Diät: Ich mag unsere Kantine nicht. Ich koch mir lieber abends selber etwas, das schmeckt wirklich besser. Wir haben zwar eine recht gute Salatbar, aber trotzdem … Kantine bleibt Kantine. Ich bin schnellem und fettigem Essen wirklich nicht abgeneigt, aber wenn Junk, dann bitte richtig. Die Kantine schmeckt nicht und man hat vor allem eine Stunde später schon wieder Hunger. Das kann’s nicht sein!

Also, was dann?
Ich habe schon TK-Gemüse mit CousCous angerührt. Ich hatte eine Ramen-Phase. Ich habe mir eine Zeit immer ein Brötchen vom Bäcker geholt. Oder Salat von der Dönerbude. Oder …

Mir morgens Brote zu schmieren, darauf habe ich keine Lust und auch keine Zeit dafür. Reste mitnehmen ist mal ganz nett, aber mir eigentlich auch viel zu viel.

Derzeit sieht es so aus:
Ich komme ungefrühstückt an und nach der ersten Runde Mails und Post stehe ich erstmal in der Küche und schnibbel mir mein Müsli zusammen (Bio-Basismüsli mit Obst und Joghurt). Das hält eine Weile, vor allem, wenn ich erst ein bisschen später dazu komme. Es gab auch eine Phase, da habe ich eine Buttermilch als Frühstück getrunken. Und die Phase, in der es Fruchtmolke gab. Der aufmerksame Leser mag es erkannt haben: Ja, ich bewege mich von Essensphase zu Essensphase.

Auf jeden Fall also derzeit morgens Müsli. Am Mittag dann eine Runde spazieren gehen und ein Brötchen kaufen. Das schmiere ich mir wieder im Büro dann selber und dazu gibts dann Gemüse oder auch einen kleinen – auch meist schnell selber zusammen geschnibbelten – Tomatensalat. Zum Glück haben wir diese Kapazitäten …
In der Schublade lagern Not-Balisto und Instant-Snacks, wenn der Schokohunger mich plagt oder es doch was Warmes sein muss. Muss allerdings selten.

Ob das wirklich das Wahre ist? Aber so lange ich zu Hause keine Zeit für Vorbereitungen investieren will, wohl der beste Kompromiss.

Oder?


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